Ulli SchäferUlli Schäfer feiert an diesem Mittwoch 65. Geburtstag / Bundesligaspieler und Geschäftsmann aus Leidenschaft / Shop trägt weiter seinen Namen -  Der Versuch, den kommenden Jubilar am Montag vor seinem „65.“ zu erreichen, schlägt mehrfach fehl. Einmal klingeln, dann meldet sich schon die Mailbox. Also rufen wir erst einmal bei ehemaligen Weggefährten an, um die Geburtstagsstory über Ulrich Schäfer mit Leben zu füllen. Ulrich Schäfer? Nein, alle, die sich landauf, landab mit Tischtennis beschäftigen oder beschäftigt haben, kennen ihn nur als „Ulli“. Und nicht nur die. Denn in den letzten Jahren seines beruflichen Schaffens hat der inzwischen als Privatier mit Frau Bettina in Gießen wohnende selbstständige Geschäftsmann seinen Shop in Zusammenarbeit mit den eifrigen Mitarbeitern auch zu einer gefragten Anlaufstelle in Sachen Laufschuhe und dem zum Joggen gehörigen Equipment gemacht. Ende 2018 gab er den Laden, seinen Laden in der Gießener Straße 116 in Wieseck, dann in andere Hände und hängte den Job rund ums Belägekleben und Laufstil-Analysieren an den Nagel. (Bild Dennis Grötzsch)

Der Draht zu seinen Nachfolgern ist aber nie abgerissen. „Jannik Bäumler und ich zum Beispiel haben regen Kontakt zu ihm. Er war unser Mentor, ihm haben wir so viel zu verdanken, nicht nur auf dem geschäftlichen Gebiet, sondern auch menschlich“, sagt Dennis Grötzsch, nach wie vor aktiver Tischtennisspieler des NSC Watzenborn-Steinberg und seit 18 Jahren bei der „TT-Service & Lauf-Shop U. Schäfer GmbH“ beschäftigt. Und wie war der Ulli so als Chef? „Harte Schale, weicher Kern. Er war großzügig, wollte von seinen Angestellten aber auch Leistung sehen“, weiß Grötzsch – der sich auch noch an seine erste Begegnung mit Schäfer erinnert. „Vorher habe ich meinen ersten Drei-Euro-Schläger beim Fuhr gekauft. Bis ich merkte, dass ich auf dem Schulhof nicht mehr konkurrenzfähig bin. Also gab es nur eine Adresse, um sein Material zu verbessern. So habe ich den ,Büffel’ kennengelernt“, blickt Grötzsch zurück.

Ulli Schäfer in den 80er Jahren

„Büffel“, so lautete der Spitzname des früheren Bundesliga- und Zweitligaspielers des Gießener SV und des TTC Herbornseelbach, der Anfang der 70er Jahre mit seinen Eltern nach Alten-Buseck gezogen war. In der Schule soll er dann seinen Englisch-Lehrer, dem er zuvor das Wort „Buffalo“unfallfrei übersetzt hatte, einmal so vehement, wenn auch unabsichtlich umgerannt haben, dass aus ihm der „Büffel“ wurde. Mit dem Handball probierte es Schäfer auch, und beim Gießener Schwimmverein jagten sein späterer auch beruflich mit ihm verbandelter Freund Hans-Michael Kirstein und er sogar mal dem Wasserball nach. „Anfang der 80er nach unserem Studium habe ich ihn dann in Alten-Buseck im Edeka-Markt wiedergetroffen und er hat mir erzählt, dass er ein paar Zeichnungen für seinen Laden bräuchte. So hingen die ersten Karikaturen von mir schon im Schäfer’schen Keller, wo Ulli seinen Shop aufgemacht hatte“, weiß der anerkannte Karikaturist und Comickünstler aus Buseck heute noch zu berichten. Die Zusammenarbeit hielt über viele Jahre, „weil Ulli ein Mann mit Humor ist, auch einer mit satirischem Sinn. Intelligent, nett, aber auch von barocker Wucht“, erzählt Kirstein mit einem klar vernehmbaren Lächeln in der Stimme.

In der Tat können sich nur wenige, die Ulli Schäfer noch nicht so lange kennen und schätzen, vorstellen, wie der ehemalige Sportstudent in seiner aktiven Tischtennis-Zeit von Erfolg zu Erfolg eilte. „Er war sehr schnell an der Platte, hatte Biss und Geschwindigkeit in seinem Angriffsspiel. Ullis Stärken waren sein Aufschlag, der erste Ball und natürlich seine Vorhand“, beschreibt Hans-Jürgen Hackenberg seinen früheren Teamkollegen. An der Seite von „Hacki“ erlebte Schäfer Ende der 70er und im Verlauf der 80er Jahre seine größten Momente. Ob beim GSV (inklusive der legendären Fußballspiele Donnerstagabends und den Treffen im „Häuschen“) oder dann in der Bundesliga in Herbornseelbach – der „Büffel“ war stets für gute Geschichten und vor allem für Punkte gut. Und das, obwohl er in seiner Sehfähigkeit eingeschränkt war. Erst durch die Empfehlung seines Augenarztes, Reaktionssport zu betreiben, hatte Schäfer die Liebe zum kleinen Zelluloidball überhaupt erst entdeckt. (Bild WNZ-Archiv)

Die Liebe, die er weit über seine aktive Laufbahn an der Platte hinaus nach außen demonstrierte. Es menschelte in seinem Shop (und tut es noch immer), jeder Besuch dort wirkte (und wirkt nach wie vor) oft wie ein Treffen im Kreise der Tischtennis-Familie. Jürgen Boldt, früher ebenfalls als Mitarbeiter bei Ulli Schäfer angestellt, nennt ein Beispiel: Als ich mit meinem Vater zum ersten Mal in den Laden kam, war auch Karl-Gustav Pfeifer aus Allendorf da. Der engagierte sich stets für den Nachwuchs, hat mich gesehen und mir meinen ersten Belag, ich glaube einen blauen Magic Carbon, geschenkt. Der Name Ulli Schäfer Sportshop war und ist eine Institution hier in Hessen“, sagt der heutige Tischtennis-Abteilungsleiter des GSV. „Den Namen werden wir auch nicht ändern, der ist alleine marketingtechnisch jede Menge wert“, begründet Dennis Grötzsch die Tatsache, dass Schäfers Lebenswerk weiterhin omnipräsent ist.

Sportshop Ulli Schäfer Karikatur Kirstein(Bild Hans-Michael Kirstein)

Telefonisch präsent ist das Geburtstagskind dann am Dienstag, also doch noch rechtzeitig vor seinem Geburtstag. „Es ist jetzt ruhiger. Ich bin komplett raus aus dem Geschäft, das hat mir wirklich gutgetan. Alles hat seine Zeit im Leben“, sagt Ulli Schäfer selbst. Dass er am Montag nicht erreichbar war, entschuldigt er. Es habe aber nichts mit seinem früheren Rhythmus zu tun. „Da hieß das Motto: Du kannst dich nicht vierteilen. Statt Freitagnachmittag fiel bei mir eben erst am Samstagmittag der Griffel. Und der Montag war mein Sonntag“, blickt der Jubilar zurück. Ob er auch ein guter Lehrer geworden wäre? „Im Nachhinein bin ich da, wo ich war, richtig gewesen. Es war genau mein Ding mit der Selbstständigkeit. Ich habe Glück gehabt, dass es so lief mit dem Geschäft. Dass wir sogar noch zum Butterfly-Depot wurden, war wie ein Sechser im Lotto“, sagt der Mann, der sogar eigene Schläger-Hölzer produzierte und weit über 3000 davon im Laufe der Jahre verkaufte. Und der an diesem Mittwoch ganz in Ruhe an der Seite von Frau Bettina seinen Geburtstag feiert. Der „Büffel“, der in seinem Metier – wie sein Freund Hans Kirstein treffend formuliert – „die Welt erobern wollte und dafür viel Herzblut investiert. Solche Menschen haben auch die Tendenz zum Abstürzen. Aber ich kenne niemanden, der so auf die Füße gefallen ist wie Ulli. Herzlichen Glückwunsch!“ Passende Schlussworte.

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