Michael_Fuchs---Harald_Friedrich.jpgDer 24-Jährige vom Gießener SV hat bei den Deutschen Meisterschaften die Bronzemedaille im Doppel gewonnen. Für ein Jahr setzte er ausschließlich auf Tischtennis – mit zwei bis drei Trainingseinheiten pro Tag. - Preisfrage: Wo trifft man sich mit einem wie Michael Fuchs, wenn man ein längeres Gespräch mit ihm führen möchte? Antwort: Natürlich in der Sporthalle! Der 24-Jährige aus der Marburger Gegend hat seine sportliche Heimat beim Gießener SV gefunden. Hier gibt man ihm die Möglichkeit, aus seiner Leidenschaft – oder ist es gar etwas mehr? – das zu machen, wofür er lebt. Jürgen Boldt (GSV-Macher) sagt: „Wir sind froh, den Michael zu haben.“ Und ein weiterer beratender Begleiter von Fuchs, Dieter Buchenau, äußert gar: „Michael ist das Gesicht des GSV-Tischtennis.“ Kürzlich hat Fuchs bei den Deutschen Meisterschaften die Bronzemedaille im Doppel geholt, in der Regionalliga-Mannschaft des GSV wird er in der kommenden Saison der Spitzenspieler sein. Es war allerdings ein langer und steiniger Weg, bis sich diese Erfolge eingestellt haben.

„Mein ganzes Leben dreht sich um Tischtennis“, gibt Fuchs unumwunden zu. Und das klingt überhaupt nicht bedauernd. Diese Leidenschaft war nicht von Anfang an da, sie ist mit der Zeit zu dem gewachsen, wie sich das Leben des Michael Fuchs derzeit darstellt. Seine Eltern haben ihn schon früh dazu gedrängt, Sport zu machen. Im Nachhinein fühlte er sich „zunächst zum Tanzen gezwungen“, drei Jahre befand er sich mit seiner Schwester auf diesem Parkett. Mit etwa zehn Jahren nahm ihn ein Freund zum Tischtennis auf den Richtsberg in Marburg mit. Er zählt(e) sich nicht zu den Hochbegabten, war lange Zeit eher ein „Durchschnittsspieler“. Aber Marco Specht weckte in ihm durch viel Einzeltraining die Lust auf mehr.

Dazu trug auch bei, dass er sich mit seinem Mitspieler Dominik Böth einen „Zweikampf“ lieferte, wer denn der bessere sei. Das alles bei bescheidenen zweimal Training pro Woche. „Erst mit 14, 15 Jahren habe ich wirklich Spaß am Tischtennis gefunden“, sagt Fuchs – zunächst ohne bewusst die Intensität und den Umfang in Training und Wettkampf gesteigert zu haben. Sein Leistungszuwachs führte dazu, dass Fuchs sich einsatzbereit für die Richtsberger Erste befand. Das wiederum war nicht gewollt bzw. sollte verhindert werden, so empfand Fuchs das damals jedenfalls. Und da wechselte er zum TTV Stadtallendorf in die Verbandsliga.

Pensum erhöht

Der Kontakt dort mit leistungsorientierten Spielern habe ihm einen Schub gegeben, erinnert er sich – und ist sich auch bewusst, dass er sich als permanenter Trainingspartner dabei hochgedient hat. Das Trainingspensum erhöhte er auf fünf bis sechs Einheiten pro Woche, nahm dazu noch etliche Lehrgänge mit, u.a. in Kassel bei Trainer Wladimir Kaprov. Wo er in seiner Jugendzeit leistungsmäßig zu finden war, formuliert Fuchs so: „Die Hessischen Meisterschaften waren damals das, was heute die Deutschen für mich sind.“

Nachdem ihm die Zeit in Stadtallendorf „den Horizont erweitert“ hatte, wechselte Fuchs vor sechs Jahren zum Gießener SV. Ziel des dort begonnenen Projekts war es zunächst, eine Mannschaft in der Regionalliga mit heimischen Spielern zu bestücken. „Beim GSV wurde mir aber auch zusätzlich die Chance geboten, etwas aus meinen Möglichkeiten zu machen.“ Und dabei hatte Fuchs, wie er ehrlich zugibt, „noch nicht unbedingt eingesehen, wofür man im Tischtennis einen Trainer braucht“. Das sollte sich aber ändern.

Während der Coronazeit nahm Trainer Christian Löffler Fuchs zu Einheiten nach Salmünster mit, dort lernte er Familie Stelting kennen, bei der er zeitweise unterkam. Nachdem er das Fachabitur in der Tasche hatte, entschloss er sich, für ein Jahr ausschließlich auf Tischtennis zu setzen. Auf die Frage, wie er diese Zeit finanziell überstanden habe, verweist Fuchs auf zwei Mini-Jobs, die er nebenbei erledigte. „Das war bei zwei- bis dreimaligem Training pro Tag meine intensivste Tischtennis-Zeit“, resümiert Fuchs, „aber die hat sich ausgezahlt!“ In Gießen wurde ihm zusätzlich noch die Möglichkeit geboten, in privaten Räumen zu trainieren, das alles hauptsächlich immer noch ohne Trainerbegleitung. Dann wurde von Boldt der ehemalige Bundesnachwuchs- und Damenbundestrainer Martin Adomeit (Lippstadt) für das Oberligateam engagiert, „der hat meinen Blick auf Tischtennis noch einmal erweitert“.

Tronin als Vorbild

Bei sogenannten Challenger-Turnieren misst sich Fuchs mehrmals im Jahr auch international. Bei den TTR-Werten machte er einen Sprung von mehr als 100 Punkten und stabilisierte sich auf Oberliga-Niveau. Dann lernte er vor zwei, drei Jahren den Spieler und Trainer Alexey Tronin kennen, der für Fuchs in vielerlei Hinsicht ein intensiver Ansprechpartner und ständiger Begleiter wurde. Fuchs bezeichnet Tronin gar als „Vorbild“. Dabei nahm er zunächst erstmals Geld für eigenes Einzeltraining in die Hand. So jedenfalls schaffte er den Sprung in die Regionalliga.

Freizeit ist für Fuchs bei dem aufgezeigten Riesenengagement als Spieler und Trainer aktuell ein Fremdwort, das Privatleben beschränkt sich auf das Zusammensein mit der Freundin. Soweit der bewegte Lebenslauf eines „Arbeitstiers“ (Fuchs über sich selbst), das in zunehmendem Maß mit und über Tischtennis geprägt wurde und mit dem größten Erfolg nach nahezu 15 Jahren, der DM-Bronzemedaille im Doppel, einen (vorläufigen?) Höhepunkt erreicht hat. Da lebt aktuell sicherlich einer seinen Traum, die Frage nach dem weiteren Weg stellt sich für Fuchs derzeit noch nicht. Er sagt dazu: „Ich habe drei Türen offen: als Spieler, Trainer und selbständiger Berater bei einem Finanzdienstleister.“ Welche der Türen wann sich schließen und in welchen Raum er dann treten wird, steht derzeit in den Sternen.


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